Alexander Grün

Tonmeister, Produzent, Tonal-Studio

Die Freiheit der Wahl

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Auch wenn manchmal der Eindruck entsteht, dass sich Künstler mit einer Aufnahme ein Denkmal setzen wollen, oder meinen, „so gut brächten sie es nicht mehr zusammen - also bitte schnell aufnehmen!“, so ist eine Aufnahme letztlich doch dem Publikum gewidmet. Aber welchem Publikum? Sind es Musiker, Amateure, Hifi-Enthusiasten oder Menschen, die sogar noch in Konzerte gehen? Wir wissen es nicht. Daher muss eine Aufnahme allen gerecht werden, solange wir uns in einem gemeinsamen Musik-Genre bewegen.

Die Aufnahmetechnik hat - seit Anbeginn - einiges an technischen Meisterleistungen hervorgebracht, von denen heute noch viele bekannt und in Verwendung sind. Weiterentwicklungen sind dem allgemeinen technischen Fortschritt geschuldet und, wie im Musikinstrumentenbau, auch Ergebnis intensiver Zusammenarbeit mit den besten Musikern.

charles spencer anne schwanewilms

Der Konsument verlangt - die Branche liefert. Oder ist es umgekehrt? Die Angebote in einer freien Marktwirtschaft werden dann angenommen, wenn sie das Leben verschönern, verbessern, vereinfachen, vergünstigen. Vinyl, HiRes, CD und mp3 sind die Pendants in unserer Welt der Musikaufnahme und -wiedergabe. „Physischer Datenträger versus digitaler Download?“ ist keine Glaubensfrage, sondern geht der Entscheidung voraus, wer oder was damit bedient werden soll. Wurden zur Vorauswahl der geeignetsten Kandidaten bei Wettbewerben bis vor kurzem DVDs eingereicht, ist man bereits zum Upload auf einen Server übergegangen („vereinfachen - vergünstigen“), glaubte man in der 80er und 90ern mit der CD die bestmögliche Musikwiedergabe gefunden zu haben, so werden nun - durch Hartnäckigkeit - die höher aufgelösten Studio-Files einem interessierten Publikum zugängig gemacht („verschönern - verbessern“).

für BIO !!! alexander grün TONAL

Toningenieure und Produzenten sind dazu übergegangen, mit höherer Auflösung zu produzieren, damit die gewünschte klangliche Bandbreite angeboten werden kann. Die meisten Labels verlangen zu einer Master-CD die Studio-files in 24bit und 48k aufsteigend! Dies ist durchaus zu begrüßen, denn die Prozesse im Studioalltag: Aufnahme, Schnitt, Mischen, Mastern werden schließlich in höchster Auflösung getätigt, und ich denke mir oft, wie schade es ist, dass die Aufnahme beim Musikhörer nicht genau so klingt, wenn sie z.B. auf einem nur durchschnittlichen CD-Player abgespielt wird, oder die verwendeten Lautsprecher einen Frequenzgang besitzen, der eher der Landschaft des südsteirischen Hügellandes ähnelt!

Des einen Leid, des anderen Freud… die Qualität von mp3s muss nicht an die 20-Sekunden-Vorschau beim Online-Einkauf erinnern, die sog. Mp3hq mit 320kBit reicht sehr nahe an CD heran und ist jedenfalls für genussvolles Musikhören am Handy mit Kopfhörern geeignet. Zu Hause steht die prachtvolle HiFi-Anlage, ein gediegener Plattenspieler, CD-Laufwerk, Highres-Wandler mit USB und Verbindung zum Internet: das nenne ich Wahlfreiheit, ohne es zur Qual werden zu lassen, denn ich weiß genau, wann welches Medium das geeignete ist und genieße meine Lieblingsmusik.

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Ja, auch Tonmeister sind in der Lage Musik zu genießen, denn irgendwo begann die Liebe zu dieser Materie. Wenn man dabei nie außer Acht lässt, dass es die Musiker sind, die uns den Genuss und die Freude in erster Linie bringen, können wir uns anschließend mit Argumenten überhäufen, welche die einzig wahre Musikwiedergabe ist.

Ich ahne, dass uns die Vielfalt der Formate noch lange erhalten bleiben wird, und damit der persönliche Zugriffswunsch auf Musik und das Bedürfnis nach gut gespielten und gut aufgenommenen Alben.

Alexander Grün wird seine Erfahrungen und Empfehlungen an die Besucher der klangBilder in seinen drei Workshops weitergeben. Siehe Tagesprogramm!