Marco Battistella

Tonmeister und Aufnahmeleiter

Jede Aufnahme ist eine neue Wahrheit

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Seit 15 Jahren bin ich nun als Aufnahmeleiter aktiv und habe mich auf Aufnahmeproduktionen in den Bereichen Klassik und Jazz&Blues spezialisiert. In dieser Zeit habe ich regelmäßig mit verschiedensten Mikrofonierungs-, Aufnahme- und Verarbeitungstechniken experimentiert.

Der Fortschritt sowie die persönliche Weiterentwicklung befinden sich in einem konstanten Wandel. Dabei werden bewährte Produktionsverfahren immer wieder in Frage gestellt und verfeinert, ohne dabei die Kernkompetenz meiner Arbeit außer Acht zu lassen: nämlich die möglichst authentische Reproduktion dessen, was ich während der Aufnahme von den Musikerinnen und Musikern höre, einzufangen.

Dabei bin ich immer wieder zur gleichen Erkenntnis zurückgelangt: Weniger ist oft mehr! Mein Lieblings-Setup besteht aus einem guten Vorverstärker (Millenia) einem guten Wandler (Merging) und einer Auflösung von 96kHz/32bit. Als Aufnahmeprogramme kommen jene zum Einsatz, die für die Produktion am besten geeignet sind, meistens jedoch Pyramix oder Protools.

Wenn es die Akustik, die Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern zulässt, arbeite ich am liebsten mit wenigen Mikrofonen: Eine einfache Stereofonie für Soloinstrumente, 4 - 6 Mikrofone für Kammerorchester und 8 - 12 Mikrofone für große Besetzungen - ganz nach Vorbild der großartigen Aufnahmen aus den 30-50-ger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Wenn die Umstände es zulassen, dann kann es auch 2-Spur analog auf Band, ohne Mischung und ohne Schnitt sein.

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Laut FORBES wurden 2018 fast 10 Millionen Schallplatten gekauft, Tendenz weiterhin steigend. Obwohl aus klanglicher und technischer Sicht immer wieder ein heiß diskutiertes Thema, nimmt dieser Trend auch Einzug in den Bereich Klassik. Bei Hänssler Classic produzierten wir mit dem Pianisten Jean Muller heuer die Goldberg Variationen von Bach auf Vinyl! Der österreichische Experte für analoges Mastering, Horst Pfaffelmayer, hat diese Produktion eigens für Vinyl remastered. Das klangliche Ergebnis spricht für sich: Die Vinyl ist laut Aussage vieler Käufer näher am menschlichen Hörgeschmack dran als viele andere (digitale) Formate.

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Diese Erkenntnis wirft viele Fragen auf und beschäftigt mich nun schon seit einigen Jahren. Dies hat nichts mit Esoterik oder reaktionärer HiFi-Gesinnung zu tun. Der Genuss aufgezeichneter Musik ist doch sehr persönlich, und das menschliche Ohr in vielerlei Hinsichten subjektiv und doch sensibel. Alles beginnt mit einer guten Aufnahmesituation und -Produktion und endet im Idealfall mit einem berührend-schönen musikalischen und klanglichem Ergebnis.

Am Ende des Tages kann man sich hinter Bergen von tontechnischem Equipment verstecken. Wenn man keine Ahnung von der Musik, den Interpretationsformen, der historischen Aufführungspraxis, dem Handwerk der Tontechnik und der Psychologie in der Aufnahmesituation hat, ist das endgültige Format komplett egal. Die Aufnahme wird nicht berühren, nichts transportieren.

Marco Battistella wird seine Erfahrungen und Empfehlungen an die Besucher der klangBilder in seinen beiden Workshops weitergeben. Siehe Tagesprogramm!