Archiv

Sergej Rachmaninow
Klavierkonzert Nr. 3

Zugabe: Der Liu Yang-Fluss (arr. Yung Jan-Zhung)

Alexander Scriabin
Etudes

Lang Lang (Klavier); St. Petersburger Philharmonie, Yuri Temirkanow

Aufnahme: Digital/DSD. Am 22. August 2001 in der Royal Albert Hall, London, UK (Rachmaninow, Zugabe); und am 20. Oktober 2001 Warner Concert Hall, Oberlin College, Oberlin, USA (Scriabin)
Tonmeister: Jack Renner, Michael Bishop
Editor: Thomas C. Moore
Surround Mastering: Michael Bishop

Telarc/Musica SACD-63582* (Super Audio CD - Stereo und MultiChannel**; Hybrid: auch als CD abspielbar***)

Wenn Sie wissen wollen, wie beeindruckend ein Publikums-Jubel branden kann, dann hören sie die beiden Ovationen nach dem Rachmaninow und nach der Zugabe. Nach Möglichkeit in MultiChannel. Ich schrieb schon unlängst, dass sich die Tonmeister endlich auf die Möglichkeiten des neuen Mediums einstellen und nun auch den Klassik-Aufnahmen jenes Flair mitgeben, das sie so essentiell von Stereo unterscheiden.
Das Rundum-Erlebnis ist in der Royal Albert Hall am Hide Park umso mehr ein stimmiges, als ja diese Halle ein großer Zylinder mit Kuppel ist. Das bringt das Publikum in erhöhten Kontakt mit den Künstlern und mit einander, und wer je die "Letzte Nacht der Proms" gesehen hat, weiß, wozu sonst so distinguiert scheinende Engländer im Konzert fähig sind (auf den Fußballplätzen wissen wir das schon).
Nun, dieses Konzert war zwar nicht das Finale der "Promenaden"-Konzerte - so der volle Wortlaut -, aber bestimmt einer ihrer Höhepunkte. Lang Lang ist einer jener Jungstars, die schon mit drei Jahren von einem Klaviermeister durch alle Schulen der Geläufigkeit gejagt wurden und wohl mit 7 schon das Wohltemperierte Klavier von hinten nach vorne spielen können.
Lang Lang (20), geboren in der VR China, konnte 1997 in die USA ausreisen, wo er bei Gary Graffman studiert; dieser stammt selbst aus der Virtuosen-Ecke und spielte u.a. als Erster das Dritte Klavierkonzert von Tschaikowsky (einst bie CBS, nur auf Sony erhältlich) ein.
Lang Lang kam, wie es bei so manchem Künstler in der Biografie steht, durch die Absage eines berühmten Kollegen zum Handkuss: Er sprang 1999 für den Klaviertiger Andre Watts in der Carnegie Hall ein und begann damit eine kometenhafte Karriere, die ihn interessanter Weise mit dem russischen Dirigenten Yuri Temirkanow zusammen führte.
Nach mehreren triumphalen Konzerten mit gerade diesem dritten Rachmaninow-Konzert war das Londoner Publikum am diesem 22. August 2001 besonders gespannt. Würde der junge Mann das halten, was man über ihn gelesen hatte?
Enttäuscht war wohl niemand, da Lang Lang über eine saubere Technik verfügt, die geschmeidig Sergejs Melodien-Plüsch bürstet und auch bei den virtuosen Passagen - vor allem natürlich im Finger-verzwirnenden dritten Satz (Track 3) - scheinbar unermüdliche Kraft besitzt.
Nach dem Konzert-Stress gab es noch eine kurze Zugabe: eine nette, Liszt-inspirierte Paraphrase über ein chinesisches Volkslied.
Die zehn Scriabin-Etuden entstanden dagegen zwei Monate später ohne Publikum und zeigen Lang Lang in viel detaillierterem Licht. Freunden von großem Klavierklang empfehle ich unbedingt op. 8/12 (Track 11), welche die Resonanz und alle Pedal-Feinheiten des großen Steinway "D" eindrucksvoll ins Zimmer verfrachtet. Ihre Nachbarn werden neidisch lauschen...

Plastische Fülle
Telarcs Bosse ließen sich ihre Teilnahme an diesem Ereignis nicht nehmen: Robert Woods übernahm die Produktion, und - wie in den guten, alten Zeiten - Jack Renner die Tonmeisterei. Telarcs DSD-System besitzt maßgeschneiderte Wandler von Ed Meitner und einen Sonoma-DSD-Recorder, dazu eine Polygram-Konsole, die auch MultiChannel verarbeiten kann.
Eine Live-Aufnahme stellt immer hohe Ansprüche an das Aufnahme-Team. Abgesehen von allen möglichen Künstler-Problemen lässt sich die Faszination und damit die Publikums-Reaktion nur schwer vorher sagen.
Das britische Publikum der Proms gilt aber als besonders dankbar und auch kultiviert, sodass - bis auf das erwähnte tosende Klatschen und Jubeln - kaum hüstelnde Störenfriede zu orten sind. Zum Glück war ja August...
Die Stereo-SACD-Version besitzt wieder jene plastische Fülle, welche das Klavier sehr gut in den Raum treten lässt; die anfänglichen Streicher-Passagen schmelzen butterweich, und der Flügelklang verrät Autorität und auch samtige Fülle, wie man es in einem großen Konzertsaal spürt.
Natürlich wurde er mikrofon-technisch gestützt, aber dennoch kommen aus dem Orchester viele schöne Solo-Meldungen. Die St. Petersburger Philharmoniker (die einst als Leningrader unter Mrawinsky schon Weltrum besaßen), sind ein beeindruckendes Ensemble, das sich nach wie vor die charaktervollen Instrumenten-Timbres bewahrt hat: etwa in den Fagotten, Posaunen oder der Oboe (Beginn zweiter Satz). Das kommt auf SACD sehr schön zur Geltung.
Nach dem Umschalten auf MultiChannel wird nicht nur der Applaus überwältigend. Es kommt auch ein atmendes Vibrieren der Albert Hall dazu, die einen noch viel realistischer an diesen bevorzugten Platz vorne am Podium versetzt. Eine erlebnisreiche Disc, die zwar auch als CD vollkommen wirkt. So lange eben, bis man auf die flüssiger und selbstverständlicher bindende SACD umschaltet. Ludwig Flich

* SACDs sind ein audiophiles Spezial-Produkt. Deshalb geben wir Bestellnummer und Vertrieb an, damit Sie die SACDs rasch über Ihren Händler erhalten können.

** SACDs bieten zunehmend auch Surroundsound/MultiChannel. Die Daten-Information für 5.1 (wahlweise auch 6.0 oder 4.0) wird zusätzlich zur Stereo-Version auf die Disc gepresst.

*** Bei Hybrid-Discs ermöglicht eine zweite Datenschicht die Wiedergabe in allen herkömmlichen CD-Playern - wie üblich, nur in Stereo.

Hier können Sie eine(n) audiophile(n) Freund(in) auf diesen Artikel aufmerksam machen:

Ihre email:
Empfänger email: